US-Aktien fundamental bewerten
Wie sich mit KGV, Shiller-KGV und Gewinnrendite einschätzen lässt, ob US-Aktien günstig oder teuer sind.
Wie sich mit KGV, Shiller-KGV und Gewinnrendite einschätzen lässt, ob US-Aktien günstig oder teuer sind.
Kurzfristig bestimmen Stimmung, Nachrichten und Liquidität die Kurse. Langfristig aber ist der Preis, den Anleger heute für zukünftige Gewinne zahlen, einer der wichtigsten Bestimmungsfaktoren für die spätere Rendite. Wer zu teuer kauft, braucht außergewöhnlich starkes Gewinnwachstum, um eine ordentliche Rendite zu erzielen. Dieser Guide zeigt, mit welchen Kennzahlen sich die Bewertung des US-Aktienmarkts und einzelner Unternehmen strukturiert einordnen lässt.
Das KGV setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie. Ein KGV von 20 bedeutet, dass Anleger das Zwanzigfache des Jahresgewinns bezahlen. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem historischen KGV (auf Basis der vergangenen zwölf Monate) und dem erwarteten KGV (auf Basis von Analystenschätzungen). Das erwartete KGV wirkt oft günstiger, ist aber nur so gut wie die zugrunde liegenden Prognosen.
Das Shiller-KGV verwendet den inflationsbereinigten Durchschnittsgewinn der vergangenen zehn Jahre. Dadurch werden Ausschläge im Konjunkturzyklus geglättet: In Rezessionen wirkt ein normales KGV wegen eingebrochener Gewinne künstlich hoch, im Boom künstlich niedrig. Das Shiller-KGV eignet sich nicht für das Timing, liefert aber über lange Zeiträume einen der zuverlässigsten Hinweise auf die zu erwartende Marktrendite der folgenden Dekade.
Der Kehrwert des KGV ist die Gewinnrendite. Ein KGV von 20 entspricht einer Gewinnrendite von 5 Prozent. Stellt man diese Zahl der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen gegenüber, erhält man die sogenannte Aktienrisikoprämie. Je kleiner diese Prämie, desto weniger werden Anleger für das zusätzliche Risiko von Aktien gegenüber sicheren Anleihen entschädigt.
Ein Technologieunternehmen mit hohem Wachstum rechtfertigt ein anderes KGV als ein reifer Versorger. Sinnvoll ist daher der Vergleich mit dem eigenen historischen Durchschnitt und mit direkten Wettbewerbern. Ergänzend helfen das PEG-Verhältnis (KGV geteilt durch das erwartete Gewinnwachstum) sowie das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei Unternehmen, die noch keine stabilen Gewinne erzielen.
Bewertungen sagen wenig über die Kursentwicklung der nächsten Monate aus. Märkte können lange teuer oder günstig bleiben. Kennzahlen ersetzen daher keine Analyse der Geschäftsmodelle, der Bilanzqualität und des Zinsumfelds, sie bilden aber den Ausgangspunkt jeder disziplinierten Investmententscheidung.
Hinweis: Dieser Guide dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.